Jürgen Wieland verlässt Courageous
Galerie Jürgen Wieland
Nach mehr als zwölf ereignisreichen Jahren hat Bassist
Jürgen Wieland
seinen Ausstieg bei
COURAGEOUS
verkündet. Er zog damit die Konsequenz aus anhaltenden Problemen in der Koordination von beruflichen, familiären und musikalischen Verpflichtungen.
"Wir wurden von Jürgen jederzeit über die Situation informiert und konnten uns somit bereits seit längerem auf jegliche Entscheidung einstellen"
, berichtet Sänger Chris.
"Trotzdem trifft uns dieser endgültige Entschluss natürlich sehr hart, da wir mit Jürgen nicht nur einen begnadeten Bassisten verlieren, der für den Bandsound schon immer sehr wichtig war, sondern weil er darüber hinaus auch ein sehr zuverlässiger Mensch und Freund ist. Eine Eigenschaft, die man im Musikbusiness nicht allzu oft findet."
Die Wege von
Jürgen Wieland
und der Band
COURAGEOUS
kreuzten sich zum ersten Mal im Herbst 1991. Damals versuchte Chris gerade die Band auf ein neues Level zu hieven und suchte nach geeigneten Mitmusikern. An das erste Treffen kann er sich noch ganz genau erinnern.
"Wir trafen ihn im McDonalds in der Frankfurter B-Ebene"
, lacht Chris.
"Ich hatte zu jener Zeit nur eine Vision meiner Band, von der handwerklichen Seite waren wir noch weit entfernt. Er spielte uns Aufnahmen vor, die er mit seiner Jazz- und Big-Band gemacht hatte und registrierte schnell, dass wir mit dem ganzen Notenwirrwarr etwas überfordert waren. Der erste Eindruck war wohl eher katastrophal, denn auch optisch waren Jürgen und ich von den heutigen Bühnenversionen weit entfernt."
Trotzdem ließ sich Jürgen zu einer ersten gemeinsamen Probe überreden, die aber in einem musikalischen Fiasko endete.
"Wir hatten zwar genaue Vorstellungen und auch im Reden waren wir bereits Weltmeister, hatten darüber hinaus aber das Proben vergessen"
, erinnert sich Chris mit Grausen.
"Das war verdammt schlecht und wir wussten das auch. Zum Abreagieren quälten wir dann aber noch einmal alle unsere Instrumente und produzierten einen ohrenbetäubenden Lärm. Plötzlich kam Jürgen wie von der Tarantel gestochen in den Raum gelaufen, brüllte und kreischte eine Minute lang unverständliche Laute ins Mikrofon und verschwand danach wieder genau so schnell. Da stand fest: das ist der richtige Mann."
Nur sah das Jürgen nicht so, denn er wollte (verständlicherweise) nicht in die Band einsteigen. Doch das Schicksal lässt sich nicht so einfach überlisten. Im Februar 1992 meldete sich Jürgen auf eine Anzeige, die von niemand geringerem als der Band
COURAGEOUS
aufgegeben worden war. Jürgen musste das wohl so peinlich gewesen sein, dass er sich zu einigen zaghaften Treffen überreden ließ, nach denen er sich dann doch für die Band entschied.
In den folgenden Jahren, die für den Heavy Metal allgemein sehr düster waren, entpuppte sich Jürgen als eine Konstante und als technisches Maß aller Dinge für etliche Musiker, die sich während dieser Zeit die Klinke in die Hand gaben. Als die Band Ende 1997 den Entschluss fasste, eine vollständige Scheibe aufzunehmen, entwickelte sich auch das eigentliche Bassspiel von Jürgen in die Bahnen, die für den Sound von
COURAGEOUS
prägend werden sollten.
"Mit Jürgen aufzunehmen war immer sehr produktiv"
, blickt Gitarrist Oliver zurück.
"Er hat eine schnelle Auffassungsgabe, ist technisch über jeden Zweifel erhaben und hat ein gutes Gespür für den richtigen Groove und die passenden Noten zur richtigen Zeit. Wir hatten immer sehr viel Spaß, aber speziell beim Debüt war das für uns alle noch Neuland und daher auch besonders beeindruckend."
Jürgen war stets im organisatorischen Bereich aktiv. Im Hintergrund fühlte er sich wohl, wollte nie das ganz große Rampenlicht. Seine Wandlung vom musizierenden Studenten, der in den Anfangstagen immer mal wieder als optischer Fremdkörper ausgemacht wurde, hin zum Fels in der Brandung, dem Berserker auf der Bühne – das ist phänomenal.
"Es war immer wie im Krieg"
, erinnert sich Gitarrist Gerd.
"Auf der Bühne herrscht nur eine Regel: Jeder muss sich seinen Platz hart erkämpfen - gegen Jürgen haben viele verloren. Da wir uns immer eine gemeinsame Bühnenseite geteilt haben, trugen wir öfter blaue Flecken davon - ich mehr als er. Ich denke, am Ende konnten sich viele Musiker einiges von Jürgen abschauen, auch was die Bühnenpräsenz betrifft."
Erinnerungen dieser Art gibt es viele: Weiße Mäuse bei Aufnahmen, Flexgeräte, Pyro-Effekte, Met-Gelage bei Festivals und etliches mehr.
"Ich erinnere mich gerne an eine Sache zurück, über die ich mich noch heute schepp lachen könnte"
, weiß Schlagzeuger Jan eine besondere Anekdote zu erzählen.
"Wer Jürgen kennt, weiß, dass er eine Sprengmeisterausbildung vorweisen kann und außerdem diverse Waffenscheine sein eigen nennt. Jedenfalls hatte er uns bei irgendeiner Gelegenheit mal erzählt, dass es bei so richtig harten Jungs (wie zum Beispiel in der Bikerszene) üblich sei, sich gegenseitig noch eine endgültige Warnung zukommen zu lassen, bevor es aufgrund von Streitereien dann so richtig knallt. So gibt es wohl die Tradition, einem allzu aufmüpfigen Kollegen gern mal eine scharfe Patrone auf dem Tank abzustellen, um ihm in aller Deutlichkeit zu zeigen, was auf ihn im schlimmsten Fall zukommen könnte (im wahrsten Sinne des Wortes...). Eines Tages betraten wir jedenfalls unseren Proberaum und stellten fest, dass jemand auf Olivers Gitarrenamp eine Geschosspatrone in wirklich beachtlicher Größe als Warnung abgestellt hatte."
"Der Hintergrund dieser Geschichte war schnell klar"
, fährt Jan fort.
"Oliver hatte wohl einige Zeit vorher von Jürgen ein Effektgerät erworben und bis dato den vereinbarten Kaufpreis noch nicht beglichen. Und nachdem Jürgen ihn bereits mehrfach ergebnislos um Bezahlung gebeten hatte, sah er sich wohl gezwungen, um einiges deutlicher zu werden. Ich weiß nicht genau, ob Jürgen jemals offen zugegeben hat, dass ER diese Patrone da abgestellt hatte. Oliver hat allerdings keine Sekunde mehr gezögert, seine Schulden bei ihm zu begleichen. Was lernen wir daraus? 1. Man sollte immer schnell seine Schulden bezahlen! 2. Wenn man es nicht tut, sollte man sicher sein, dass der Gläubiger nicht zufällig Sprengmeister ist und alle Waffenscheine besitzt! 3.
COURAGEOUS
sind richtig harte Jungs! 4. Jürgen ist ne coole Sau!"
Bereits Ende 2005 verkündete Jürgen, dass er etwas kürzer treten müsste, da er durch seine zahlreichen Aktivitäten in arge Zeitprobleme geraten sei. Im operativen Geschäft wurde er in der Folgezeit öfter mal vertreten, da er nicht ausreichend genug Zeit fand, um die notwendigen Proben zu absolvieren. Im Herbst 2006, nach dem auch klar war, dass er die Tour mit Beyond Fear und Vicious Rumors nicht würde mitfahren können, gingen die Gespräche im Anschluss daran schon konkreter in diese Richtung. Nach einer intensiven Bedenkzeit zog er nun die Reißleine.
"Wir bedauern diesen Entschluss zutiefst"
, gesteht Chris.
"Bis zum Schluss hatten wir noch die Hoffnung, er würde einen anderen Weg finden. Es hat einfach nicht sollen sein. Jürgen wird immer ein Teil der Band sein, immer zur C-Familie und dem inneren Kreis gehören."
Nach dem die Band den Schock nun einigermaßen intern verarbeitet hat, sind die Musiker bereit, den nächsten Schritt zu gehen. Somit sind
COURAGEOUS
nun auf der Suche nach einem neuen Bassisten/ einer neuen Bassistin. Wer sich für den Job berufen fühlt, sollte sich schleunigst hier bewerben –
contact@courageousmusic.de